Saisonfinale
Clubausfahrt 'Goldener Oktober'
14.10.2012
Mit einem entspannten Trip in die nähere Umgebung haben wir unsere Clubausfahrten 2012 ausklingen lassen. Bei durchwachsenem Wetter durften 10 Fahrzeugbesatzungen die Farbenpracht des 'Goldenen Oktobers' genießen und einige sehr interessante Lokalitäten besuchen, darunter auch eine echte Rennwagenschmiede. Start war am ADAC-Turm des Solituderings und kein Geringerer als Rennfahrerlegende und SR-Gründungsmitglied Eberhard Mahle schickte die Karawane auf die Reise.
Eberhard Mahle im Kreise der Teilnehmer der SR-Clubausfahrt 'Goldener Oktober'
Sie meisten Teilnehmer bevorzugten es, angesichts der Jahreszeit, mit ihren Alltagsautos anzutreten. Dennoch wagten es einige, noch einmal ihre Schätze aus der Garage zu holen. Sehr mutig waren Thomas und Gabi Itte, die mit dem offenen Austin Healey 100/4 antraten. Der hatte zwar ein Cabriodach, das aber laut Aussagen seines Besitzers ohnehin viel Feuchtigkeit durchließ. So ließ man es eben offen und wappnete sich mit warmer und regenabweisender Kleidung.
Zu Besuch bei Alpine-Spezialist Ernst Worresch
Nach dem obligatorischen Bergsprint vom Glemseck zum Frauenkreuz auf dem Solitudering erreichte man nach kurzer Fahrt Weil der Stadt. Dort residiert seit über 40 Jahren die weit bekannte Alpine- und Renault-Spezialwerkstatt Ernst Worresch.Seit drei Jahren offeriert der Firmengründer mit seinem Sohn Frank und einem überaus freundlichen und sympathischen Team seine Dienstleistungen in einer neuen Werkstatt, die vorbildlich eingerichtet ist.
Sowohl Karrosserie- als auch Motoren- und Getriebearbeiten werden dort so fachgerecht ausgeführt, dass die Kunden aus ganz Europa kommen, einer sogar extra aus Mallorca. In den Hallen stehen demgemäß hochkarätige Rennfahrzeuge. überwiegend die ultraflachen Alpine A110, aber auch einige andere Preziosen mit Renault-Technik. Renn- und Rallyesport liegen den Worreschs ganz offensichtlich im Blut. Vater und Sohn sind auch beide noch aktiv bei historischen Wettbewerben.
Für Thomas Itte erfüllte sich ein Jugendtraum: einmal in einer Alpine A110 sitzen. Diese blauen Flundern haben vor 40 Jahren im Rallye- und Bergrennsport derart dominiert, dass die Konkurrenz hubraummäßig gewaltig aufrüsten musste, um gegen die nur mäßig motorisierten aber mit sehr leichten Kunststoffkarrosserien ausgestatteten Sportwagen aus Frankreich im Gesamtklassement eine Chance zu haben.
Bereits vor dem grandiosen Erfolg der Alpine-Sportwagen setzte Renault mit dem R8 Gordini Maßstäbe. Auch ein solcher steht in der Werkstatt von SR-Mitglied Ernst Worresch, ebenso wie die Ikone der 80er-Jahre, der Renault 5 Turbo, mit dem Jean Ragnotti 1981 die Rallye Monte Carlo aufmischte. Heute mischt Frank Worresch die Oldtimerszene damit auf.
Willkommen sind bei Ernst Worresch Renn-Oldtimer aller Marken. So blieb auch nicht verborgen, dass der Ford Escort TC unseres Freundes Max Birnbreier auf der Hebebühne stand. Die Blattfederkonstruktion an der Hinterachse sorgte allgemein für Erstaunen, in Anbetracht der legendären Straßenlage, die dem TC nachgesagt wird.
Ernst Worreschs ganzer Stolz ist der selbst gebaute Motorenprüfstand, den er an diesem Sonntagmorgen mit Rücksicht auf die Nachbarschaft nur im niedrigen Drehzahlbereich vorführen konnte. Aber allein die Tatsache, dass eine Werkstatt über so etwas verfügt, rang den Besuchern höchsten Respekt ab. Wer eine Leistungssteigerung bei Worresch in Auftrag gibt, kann sich so unmittelbar vom Ergebnis überzeugen lassen. Grandios!
Die Gastfreundschaft der Firma Worresch ist mindestens ebenso beeindruckend wie deren Sachverstand in Sachen Automobiltechnik. Die Teilnehmer der SR-Oktoberausfahrt wurden ausgiebig bewirtet mit Getränken und Butterbrezeln. Und zum Abschied gab es noch für jede Besatzung ein Carepaket obendrauf. Dieser überaus freundliche Empfang bot Gesprächsstoff während der nächsten Etappe, die uns an die ehemalige Grenze zwischen Württemberg und Hohenzollern führte.
An der Grenze zu Hohenzollern
Diese Grenze ist relativ leicht ausfindig zu machen, denn das Land Hohenzollern hat seit 1901 bis heute eine eigene Bahnlinie, inklusive Schienennetz. Am Schnittpunkt zwischen der Hohenzollerischen Landesbahn und der Bundesbahn liegt der Bahnhof Eyach. Dort kann man jeweils auf das andere gewünschte Schienennetz umsteigen.
Der Bahnhof befindet sich mitten im Grünen. Die Gebäude sind zum Teil über 100 Jahre alt und seit Jahrzehnten nicht mehr in Betrieb. Das macht diesen Ort so reizvoll - ein Hauch von Wildem Westen. Eyach ist der Name des Flusses, der dort vorbei fließt und diesem Gewässer folgte die SR-Karawane auf der nächsten Etappe bis nach Haigerloch.
Ein Atomreaktor unter der Kirche
Bei Haigerloch durchdringt die Eyach einen gigantischen Muschelkalkfelsen, so dass sich senkrecht abfallende Wände bildeten.Ein Teil der Stadt liegt am Fluss. der andere 120 Meter höher mit Schloss und Kirche auf dem Felsen.

Während der letzten Monate des Zweiten Weltkriegs war Haigerloch ein Standort des Kaiser-Wilhelm-Institutes für Physik im Rahmen des sogenannten Uranprojektes, das die technische Nutzung der Kernspaltung zum Ziel hatte. In einem Bierkeller unterhalb der Schlosskirche entstand ein vor Luftangriffen geschütztes Labor. Durch beherzte Verhandlungen des Pfarrers nach Bergung der Reaktoranlage durch ein amerikanisches Kommando im April 1945 entging dieser seiner Sprengung. Er enthält heute das Atomkeller-Museum mit einem Nachbau des Reaktors.

Zum Kaffee in der römischen Villa

Auf der nächsten Etappe zeigte Hans-Peter Koch ("Cooky") wieder einmal seine überragende Ortskenntnis und führte die Truppe über herrlich abgelegene Talstraßen durch das Hohenzollernland. Über Gruol und Geislingen ging es nach Stein bei Hechingen, wo sich ein überaus interessantes Römisches Freilichtmuseum befindet. Schon vorher schwärmte er immerzu von dieser "Villa Rustica".

Dort stießen auch unsere Nachzügler Austin-Healey 100 und Porsche 928 wieder zum Tross. Sie hatten sich wegen eines Tankstopps vorübergehend aus der Karawane abgemeldet.
Die Villa Rustica bot nicht nur archäologische Kostbarkeiten, sondern auch einen überwältigenden Blick auf die Schwäbische Alb und die Burg Hohenzollern.

Die Stätte wurde 1972 durch den Bürgermeister von Stein entdeckt und zwischen 1978 und 1981 durch Ausgrabungen erschlossen. Dabei stellte sich heraus, dass es sich um Reste einer besonders prächtig ausgebauten, mit rund fünf Hektar sehr großzügig bemessenen, römischen Villa rustica handelt, mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, einer rundum geschlossenen Mauer. Das Anwesen wurde wahrscheinlich zur Zeit des Kaisers Domitian Ende des 1. Jahrhunderts erbaut, als die Römer ihren Machtbereich von der Donau Richtung Nordosten ins Neckarland ausdehnten. Das Ende kam Mitte des 3. Jahrhunderts, als die Alamannen den obergermanischen Limes überrannten und das Gebiet besetzten. Da die Siedlung im Mittelalter aufgegeben wurde und ein Wald darüber wuchs, bietet sie eine sehr gute Qualität der Funde, die weder durch sekundäre Besiedlung noch durch landwirtschaftliche Tätigkeiten geschädigt wurde.

Nach der Besichtigung ließ sich die SR-Truppe im ehemaligen Backhaus nieder und wurde mit dampfendem Kaffee und Apfelkuchen bewirtet. Inzwischen war das Wetter trocken und teilweise sogar sonnig, so dass man den Blick ungetrübt über die herbstlich gefärbte Alb schweifen lassen konnte.
Schlussetappe und Ausklang auf der Kraxl Alm
Frisch gestärkt ging es auf die Schlussetappe. Thomas und Gabi Itte zeigten keine Schwächen und verzichteten weiterhin auf ein Verdeck. Die englischen Roadster heizen sich ja von unten her - in diesem Fall bei etwa 10 Grad Außentemperatur angenehm - auf.
Zurück ging es über Rottenburg und das Nagoldtal mit der Stadt Nagold, über Wildberg und Calw bis nach Hirsau,dann Richtung Heimsheim bis zum Ziel in Rutesheim, wobei wieder einmal der wohl beste Straßenbelag des Landes im Abschnitt zwischen Möttlingen und Münklingen genossen werden durfte.
Zu guter Letzt noch ein touristisches Highlight: die Würm-Brücke in Hausen. Die kleine steinerne Bogenbrücke wurde 1777 für eine Landstraße erbaut und führt heute noch den Straßenverkehr über die Würm.Sie hat eine Kuppenausrundung und steigt mit maximal 10 % an. Die Brüstungen sind mit Abweisern aus Stein geschützt, so dass sich lediglich eine Fahrbahnbreite von rund 3 m ergibt. Dankenswerterweise erfolgt die Querung der nur einspurig befahrbaren Brücke ohne Ampelregelung.
Ziel unserer Ausfahrt 'Goldener Oktober' war die Kraxl Alm in Rutesheim. Die rustikale Bergalm wurde nach überlieferter Baukunst von Allgäuer Holz-und Almbauspezialisten mit über 200 Jahre altem Holz erbaut und bietet ein Ambiente, das in der Region Stuttgart seinesgleichen sucht. Mit original alpenländischen und schwäbischen Spezialitäten ließ der SR seine Clubausfahrten-Saison ausklingen.
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